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DAS GEDULDIGE
SUCHEN
Wenn auch das
Werk von Jean-Pierre Guynelly Maes vor allem durch
verfeinertes Raffinement gekennzeichnet wird und die
wiedererkennbare Darstellung eine Quelle für zahllose
Befindlichkeiten ist, möchte es dennoch gut sein einen
Augenblick zu halten, um seine bisherige Entwicklung mal
genauer zu beschreiben.
Ausser den
Dingen, die man sofort sehen kann, vorausgesetzt dass
man aufmerksam hinsieht und den Dialog versucht, soll
man die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass
Jean-Pierre sich se1bst als ein Glied in einer Katte
sieht und sichselbst als Träger einer Reihe von
kulturellen Werten betrachtet.
Er stammt aus einer
Künstlerfamilie her, deren frühere Angehörige sich nicht
der Plastik haben widmen können. Er ist eigentlich der
erste, der nach seinem Studium an der Städtischen
Akademie in Ostende und dem
Sint-Lukasinstitut
in Gent, wo er jetzt auch Lehrer für Monumentalkunst
ist, vollends diesen bisher nie erfüllten Traum erleben
konnte.
Auf der anderen
Seite vollzog sich seine Erziehung in einer Atmosphäre
des Respekts für eine Reihe van wichtigen kulturellen
und ethischen Werten. Diese beiden Elemente sind
vielleicht nicht ohne weiteres in den von ihm
gezeichneten oder gemalten Werken zu ersehen, aber sie
bilden den Hintergrund, sie ernähren seine Inspiration
und den Mut, immer wieder Fragen zu stellen und die
Bereitheit die bisherigen Errungenschaften zeitweilig zu
vergessen.
Evolution
Obwohl man in
seinem Werk breite Gebiete findet, in denen
Interferenzen unvermeidlich vorhanden sind, treten die
Stufen seiner Entwicklung deutlich hervor.
Wir könnten sie
wie folgt beschreiben: spielerische Szenen, barocke
Darstellungen, stilisierende Geometrik, lyrische
Abstraktion, Rückkehr zur Figur, und schliesslich Schock
der Realität oder anders gesagt die Tür zur Wahrnehmung.
Man dürfte dies auch so ausdrücken: Reaktion mit breiten
Spektrum, Primat der Linie und bewusste Einschränkung
des Kolorits, folgerichtige Betonung einer einzigen
Idee, wobei die Farbe wieder eine Rolle zu spielen
beginnt, Hervorheben der Komposition und Rückkehr zur
Figur, aber mit der errungenen Sicherheit, dass Farbe
und Linienführung miteinander im Einklang leben.
Aber das genügt
ihm nicht. Er bricht mit der barocken Periode, um
anderen Fragen über die Komposition und das Zerlegen
einer Szene, über den Dialog zwischen Farbtönen, die
Harmonie der Formen und deren Affinität im selben Raum,
den Rhythmus an sich, die Abstraktion, die analytische
Entfiguration, das Stilisieren und die geometrische
Darstellung auf den Grund zu gehen.
Ein einziges
Thema: zwei tanzende Frauen, die sich im zarten
Rhythmus, in der straffen Geometrisierung auflösen. Wir
befinden uns ungefähr in der Mitte des Jahres 1975.
Jetzt handelt es sich vor allem um plastische
Erscheinungsformen wie Linie, Form, Farbtöne an sich,
Raumanordnung, Fläche, Komposition, Textur. Fast
gleichzeitig wird der Zeichner mehr und mehr ein Maler.
Um 1977 etwa endeten diese geometrischen Experimente in
rein lyrische Abstraktion.
Nach dem Jahre
1979 kehrt Jean-Pierre zur Figur zurück. Nach einer
Reihe von Werken, die ihm erleubten, den Reichtum der
Collagetechnik zu erforschen, schafft er, inzwischen um
die Fähigkeit, Form und Inhalt zu analysieren und um die
Kenntnis mancher unsagbaren Subtilitäten bereichert,
wieder erkenntliche Bilder.
Wir haben schon
gesagt, dass seine Umgebung eine wichtige Rolle in
seinem Leben spielt. Er sieht, wie seine kleine Tochter,
Evy, die Welt der Erwachsenen und deren Bauten, die Welt
auch ihrer Spielzeuge entdeckt,( wie sie die Türen der
Wahrnehmung eine nach der anderen aufmacht und das malt
er jetzt, wobei er zugleich in gewissem Mass mit seinen
früheren Themen abrechnet.
So wird diese
neue Wirklichkeit für den Künstler eine Quelle der
Gefühle und der Erfahrungen, in der er jetzt seine
Inspiration findet, obwohl er Kenntnisse und
Fachmannschaft als notwendigen Eigenschaften betrachtet,
die schon heim Anfang vorhanden sein müssen und obgleich
seine Suche nach dem Wesentlichen und die Antworten, die
er gefunden hat, vorher schon zu vielen wertvollen
Kunstwerken geführt haben.
Hugo Brutin
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