Das Statut  "Einheit und Pluralismus" (1969)

 

Richtlinien und Bedingungen für die Anwendung

 

   Das gegenwärtige Generalkapitel ist überzeugt, "daß die in der Liebe  gegründete  Einheit, die seit seinen  Anfängen die Stärke und  Zierde des  Zisterzienseror­dens war" (Brief Papst Pauls VI. an den Orden), heute "vor allem durch ein tiefes  Ge­spür unserer Vebundenheit in der erlebten Erfahrung der geistlichen Werte, die wir gemeinsam besitzen", gepflegt wird. Und eben deshalb hat das gegenwärtige Generalkapitel schon in sei­ner Erklärung  über das Zisterzienserleben sowohl die kontem­plative Ausrichtung als  auch  die  grundlegenden Observanzen unseres Ordens bekräftigt.

 

   In diesem vorliegenden  Statut werden jene Observanzen, die heute eine besondere  Aufmerksamkeit verlangen, genauer aufge­zeigt und vorgelegt, damit die grundlegenden Werte unseres Le­bens sichergestellt werden, ohne eine Gleich­förmigkeit in den Einzelheiten aufzuerlegen, wo rechtmäßig Vielförmigkeit beste­hen muß. Weiter werden hier die Bedin­gungen festgelegt, unter denen jede  Gemeinde - in der  Ver­bundenheit  mit den anderen Klöstern  des  Ordens und gemäß den  allgemeinen Richtlinien - ihre  lebendige  Erfahrung des  Zisterzienserlebens  vertiefen kann.

 

 

Richtlinien

 

1.  In Treue  zu den  Vorstellungen  ihrer  Gründer leben die Zisterziensermönche unter einer Regel und einem Abt, in einer stabilen Gemeinschaft, die wirksam abgetrennt ist von der Welt und innig verbunden durch die Liebe Christi.

 

2. Als geistlicher Vater seiner Gemeinde unterscheidet der Abt den Willen Gottes, insbesondere  im  Hören auf seine Brüder im Geist des dritten Kapitels der Regel.

 

3. In der  Tagesordnung  soll man das  Gleichgewicht  zwischen Opus Dei, Lectio divina und Handarbeit beibehalten, das die Regel des heiligen Benedikt verlangt.

 

4. Die Zeit des  Aufstehens  soll so angesetzt werden, daß die darauf folgenden  Vigilien ihren  traditionellen Charakter als nächtliches Gebet in der  Erwartung der  Wiederkunft des Herrn behalten.

 

5. Der Mönch, der nach dem unablässigen Gebet strebt, hat jeden Tag eine bestimmte Zeit ausschließlich zum Beten nötig.

 

6. Dieses  Streben nach dem Gebet muß in einem Klima der Samm­lung und des Schweigens, für das alle verantwortlich sind, ge­lebt werden. Insbesondere   wird man das  Große  Stillschweigen

in der Nacht und das  Schweigen an den  regularen Orten beibe­halten.

 

7. Die Trennung von der Welt verlangt, daß die Ausgänge selten und wirklich  begründet sind. Der Gebrauch von Radio und Fern­sehen  soll nur eine  Ausnahme sein. Auch für die anderen Kom­munikationsmittel ist weise Maßhaltung erforderlich.

 

8. Unsere  Klöster  müssen eine  hochherzige  Gastfreundschaft pflegen, ohne daß diese den  kontemplativen  Charakter unseres Lebens stört.

 

9. Die Kost soll einfach und frugal sein. Man soll die gemein­schaftliche Übung des Fastens und der Abstinenz beibehalten.

 

10. Man soll das Habit als kennzeichnendes Merkmal des Ordens beibehalten. Sein Gebrauch kann in den verschiedenen Häusern des Ordens unterschiedlich sein.

 

11. Das Leben der  Gemeinde wie das  jedes  einzelnen Mönches soll den Stempel der Einfachheit und der Armut tragen. Darüber hinaus soll es durch echt evangelische brüderliche Zurechtwei­sung angespornt werden.

 

 

 

Bedingungen für die Anwendung

 

12. Die Klöster des  Ordens können die  Einzelheiten ihrer Ob­servanzen innerhalb der  Grenzen der  vorliegenden Richtlinien selbst festlegen. Eine wirksame Befragung der Gemeinde, die in verschiedener Weise erfolgen kann, soll diese Versuche beglei­ten.

 

13. Was im zweiten und  dritten Teil der  Konstitutionen  [von 1924]  oder in den Usus nicht zum allgemeinen Kirchenrecht ge­hört, soll in Zukunft nur noch den Wert eines Hinweises haben.

 

14. Das  Ergebnis der  Versuche  soll vom  Visitator überprüft werden, und dieser soll in seinem  Bericht dem  Generalkapitel darüber Rechenschaft ablegen.

 

15. Auf den  Regionalkonferenzen sollen die Erfahrungen ausge­tauscht  werden, um so den  Gemeinden in ihren  Bemühungen zu helfen.