8 Dezember 2004 – Fest der Unbefleckten Empfängnis

Gn 3,9-15.20 ; Ép 1,3-6.11-12 ; Lc 1,26-38

Kloster Gethsemani, Donnersberg, Deutschland

 

 

Predigt

 

            Ich möchte mich heute auf einem einzigen Wort dieses schönen Evangeliums, das wir bei mehreren Hochfesten der Seligen Jungfrau Maria und anderen Zeiten des liturgischen Jahres lesen, konzentrieren.  Es handelt sich um den vom Erzengel Gabriel gebrauchten Eigenschaftswort, um Maria zu begrüßen.  Auf griechisch ist es das Wort kecaritwme,nh, das wir mit « begnadete » übersetzen.  Aber was bedeutet das Wort « Gnade » ? Auf griechisch wie auf den meisten unseren modernen Sprachen, bedeutet das Wort ca,rij an der ersten Stelle Schönheit, Charme. Der Gruß vom Gabriel bedeutet : « gegrüßt seiest du, die mit der Gnade vollkommen glücklich gemacht wurdest ; du, die begnadet gemacht wurdest du, die ganz schön gemacht wurdest. »

 

            Unsere Welt ist voll von Hässlichkeiten und Horroren ; sie ist aber auch voll von Schönheit.  Es ist wichtig, betrachten zu können, alles was an schönes sich befindet und für seine Entwicklung zu arbeiten.  Und, im Rahmen des Glaubens, Maria ist es, die diese Schönheit vorstellt, mehr als jedes andere Geschöpf.  Sie ist für uns alle das Modell, und ganz bestimmt ist sie das Modell für uns, die zum Ordens- und Mönchsleben gerufen worden sind.

 

            In seiner Anleitung über das Ordensleben, neunhundertsechsundneunzig, mit dem Titel Vita consecrata (gottgeweihtes Leben), greift der Heilige Vater stets zu diesem Thema der Schönheit.  Dieses Thema ist sogar der Leitfaden dieses ganzen Dokumentes.

 

            Auch wir sind vollkommen glücklich gemacht worden, durch die Tatsache, dass wir nach dem Gottesbild geschaffen wurden. Diese gebürtige Schönheit wurde von der Sünde zerbrochen, der Erbsünde und unserer Sünde.  Darum alle unsere Bemühungen zur Bekehrung müssen zur Restaurierung dieser verlorenen Schönheit in uns beitragen.  Und darum haben wir das Bild der Jungfrau Maria, die nie ihre Schönheit verloren hat.

 

            Indem wir uns durch die Wirkung des Heiligen Geistes umwandeln lassen und dazu durch unsere Askese mitarbeiten, arbeiten wir an der Restaurierung der göttlichen Schönheit, nicht nur in uns, sondern auch in der ganzen Menschheit.  Darum in seiner eben erwähnten Anleitung sagt Johannes Paul der Zweite dass « das Ordensleben muss den menschgewordenen Gottsohn zeigen, als das eschatologische Ende nach dem alles strebt, die Schönheit entgegen welcher alles andere Licht bleich wird, die endlose Schönheit, die allein das menschliche Herz vollkommen glücklich machen kann ».

 

            Zur gleichen Zeit sind wir dazu berufen, durch die Praxis der Seligpreisungen und der Liebe die menschliche Würde zu restaurieren bei denen, die als Opfer der Armut, des Hungers und des Elends, das entstellte, ohne Schönheit vorgestellte Gesicht des schönsten Kindes der Menschen verkörpern.

 

            Beten wir Maria, uns bei dieser Aufgabe beizustehen, denn, wie sagte der Heilige Vater in seiner Anleitung, « Maria ist diejenige, die seit ihrer unbefleckten Empfängnis mit der größten Vollkommenheit die göttliche Schönheit widerspiegelt » und diejenige, die in ihren Armen am Fuß der Kreuzes das entstellte Gesicht ihres Sohnes aufgenommen hat.  Sie ist auch diejenige die vom Himmel herab uns ihn in seiner ganzen Schönheit als den Auferstandenen zeigt.