2.4 ABT MELCHIOR RUOFF VON KÖNIGSBRONN

- ein Diplomat und Wirtschaftsexperte im 16. Jahrhundert

Abt Melchior Ruoff, der von 1513 bis 1539 dem Zisterzienserkloster Königsbronn a.d. Brenz vorstand, war der bedeutendste und tatkräftigste Abt des von König Albrecht I. im Jahre 1302 gestifteten Klosters. Am 18.12.1512 beurkundeten die Äbte von Salem und Bebenhausen die Abdankung des Vorgängers und die Wahl und Einsetzung des Abts Melchior Ruoff von Höchstädt a. d. Donau, der dort Bursierer des Klosters war. Der neue Abt stand in großem Ansehen und wirkte überaus segensreich zum Wohle des Klosters und der Brenztalbevölkerung. Abt Melchior hatte besonders die wirt-schaftlichen Grundlagen des Klosters gehoben und er erlebte die reformatorischen Umwälzungen im Brenztal sowie in der Reichsstadt Reutlingen. Mit großem Geschick und weltmännischem Weitblick förderte der Abt die Eisenwerke, errichtete eine Hammerschmiede, ließ, eiserne Öfen gießen und exportierte Gußeisenwaren in mehrere Länder, Reichsstädte und Klöster. Er erbaute Höfe, ließ Wälder roden und neue Siedlungen anlegen, sowie neue Seen, Weiher und Erzgruben. Mit allen Kräften förderte er die Landwirtschaft, so daß nach einiger Zeit ein ansehnliche Viehbestand vorhanden war. Trotz der Wirren der Reformation setzte er seine Bautätigkeit in Reutlingen, die Klostererweiterungen und die intensiven Wirtschafts-aktivitäten fort.

Seine erfolgreiche Tätigkeit, Tüchtigkeit und Umsicht wurden vom Papst, den Kaisern Maximilian I. und Karl V. sowie von König Ferdinand I. hochgeschätzt und anerkannt. Papst Leo X. verlieh am 8.2.1517 Abt Melchior Ruoff das Recht, außer dem bisher schon gebrauchten Stab, sich der Mitra, des Ringes, der Sandalen und anderer Insignien, sowie des Wachses zu bedienen, Kultusgegenstände zu weihen, einen Ablaß von 40 Tagen zu gewähren und den feierlichen Segen zu erteilen.

1517 berief Kaiser Maximilian I. den Abt Ruoff auf den Reichstag nach Augsburg ein, denn der Abt wurde als unmittelbarer Reichsstand behandelt. Kaiser Karl V. bestätigte 1522 Melchior die früher verliehenen Rechte und Privilegien und lud ihn 1531 zum Reichstag nach Augsburg ein. König Ferdinand l. lobte Abt Melchior, da er sich der bösen verführerischen, zwinglischen und anderer Sekten halber nicht irren lasse, und versicherte ihn seines Schutzes. 1536 richtete Ferdinand I. ein Mandat an den Abt, sich mit seiner Türkenhilfe zu Roß und zu Fuß gefaßt zu machen, da ein Einfall der Türken nahe bevor stehe. Dagegen befahl ihm Herzog Ulrich von Württemberg, der von königlicher Majestät verlangten Türkenhilfe nichts zu reichen und nichts zu geben, da er das Kloster in diesen Sachen selbst vertreten wolle. Gleichzeitig forderte Herzog Ulrich, der in diesem Jahr wieder in sein Land zurückkehren konnte, den Abt auf, das Kloster unter seine Schirmherrschaft zu stellen. Abt Ruoff holte sich aber zuerst beim König, seinem obersten Schirmherrn, Rat. Dann erkannte er den Herzog als weiteren Schirmherrn an. So wurde kein Versuch unternommen, die Reformation in Königsbronn einzuführen, solange Abt Melchior das Kloster leitete. Die Abtei wurde erst 1553 aufgehoben.

Trotz der bewegten Reformationszeit baute Abt Ruoff das Hauptgebäude des Königsbronner Hofes in Reutlingen. Dieses ist noch erhalten und beherbergt heute das Heimatmuseum der Stadt Reutlingen. An der Innenwand der Hauskapelle im Erdgeschoß meldet eine lnschrift: ''Als man zalt von Christo Vnsers ainigen heilands gepurt 1538 jar hat der Erwyrdig in gott Vater und Herr Melchior Ruoff apte des .gotz hautz Kunigsprunen dis gegenwärtig haus sampt des neven gewilbs von dem neuwen erhaben und gepauwen Gott sey lob". (Als man zählt von Christus unserem einzigen Heilands Geburt (aus) 1538 Jahre, hat der bei Gott Vater ehrwürdige Herr Melchior Ruoff, Abt des Gotteshauses Königsbronn, dieses gegenwärtige Haus samt des neuen Gewölbes aufs Neue errichtet und gebaut, Gott sei Lob). Über dieser Inschrift findet sich noch einmal die Zahl 1538. Auf dem Schlußstein des Gewölbes befindet sich das Abtswappen, geziert durch einen leeren Schild und einen Abtskopf mit Mitra. Dieser Kopf stellt den Abt Melchior Ruoff dar, welcher als päpstliche Auszeichnung die Bischofsmütze tragen durfte.

Mit der Stadt Reutlingen hatte Abt Melchior vom Antritt seiner Regierung an viel zu schaffen. Das Kloster sandte nicht immer die besten Pfarrer nach Reutlingen. So wurden dort 1514 monatelang keine Messen und Predigten gehalten und der örtliche Pater hatte sich wegen sittenlosen Aufführungen und rohem Betragen unbeliebt ge-macht. Der hohe Rat der Stadt drohte nun dem Abt Melchior, wenn dieser Reutlingen nicht mit besseren Geistlichen versorge, so wolle man lieber selber den Zehnten einziehen und daraus einen eigenen Pfarrer bezahlen. Dies wurde anschließend auch durchgeführt, wobei der ,junge Prädikant mit reformatorischen Predigten erfolgreich war.

Diese Vorkommnisse bewegten Abt Melchior den Gang der Reformation in Reutlingen zu hemmen bzw. zu unterbrechen. Trotz zweier neuer Pfarrer konnte er aber die reformatorische Entwicklung nicht stoppen; seine Forderung, den abtrünnigen Pfarrer aus der Stadt zu weisen, hatte bei den Reutlingern aber keinen Erfolg. Auch die anschließende Acht und Bann über die Stadt hatte keine Wirkung. Nach Verhandlungen mit der Stadt Reutlingen verkaufte Abt Melchior 1533 ihr die dortigen Besitzungen und erhielt dafür die Erlaubnis, die Melchiorkapelle zu errichten. Abt Melchior starb am 23.4.1540. (nach Wilhelm Schneider in "Alt-Württemberg")

Schon 1394 wurde ein Hammermeister (Georg Ruoff(Ruff)) im Brenztal erwähnt. Vielleicht stammt Melchior Ruoff aus dieser Familie; sein lnteresse für diese frühe Industrie würde sich erklären. Bei den späteren herzoglichen Eisenwerken zu Königsbronn standen immer wieder Ruoffs im Dienst und setzten das Werk Melchiors fort. So 1798 der Admodiations-Cassier Johann Friedrich Ruoff, der 1813 als Hüttenamtscassierer Stellvertreter des Verwalters der herzoglichen Hüttenwerke wurde.

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