Klaus R U N Z E

Intermedia Artist

 

Ob die Musik oder die Malerei für meine künstlerische Entfaltung eher von Wichtigkeit ist?

Nun, ich denke, es gibt etwas Verbindendes, das beiden Künsten in gleichem Masse eigen ist. Es ist das Gestische.

Die Gestik als Kunst ist das, worin sich die Sinne des Ohres und des Auges treffen: Musik als Ausdruckform, die uber das Gehor aufgenommen wird, bedarf des Gestus, der den Klang entstehen lasst. Malerei als Ausdruckform, die uber das Sehen wahrgenommen wird, bedient sich des Gestus, der sie Gestalt werden lasst.

Das Übergewicht des einen über das andere - des Hörens gegenüber dem Sehen oder des Sehens gegenüber dem Hören - hat dazu geführt, dass beide getrennt werden:

Es wird nur von Musik als Kunst oder von Malerei als Kunst gesprochen.

Ich kenne diese Trennung nicht. Sollte es nicht möglich sein, mit Hilfe des Gestus diese Kluft im Verständnis von Kunst zu überbrücken?

Vielleicht hilft die Parabel von der Poesie der Sterne etwas, diese Trennung zu ignorieren. Es gilt, der Kunst als Sprache, welche sie von Anbeginn gewesen ist, zu ihrem Recht zu verhelfen - gleichgültig, in welcher Form sie in Erscheinung tritt.

back to top

P A R A B E L

Die Poesie der Sterne will sich uns mitteilen. Doch sie weiss nicht, wie sie es anstellen soll. Sie versucht es mit einem grossen Chor von Trompeten und Posaunen, der unser Ohr bedrängt. Aber sowie er verhallt, sind wir die Betrogenen: Nichts von der Poesie der Sterne bleibt.

Sie versucht es mit einem grossen Pinsel, mit dem sie uns über die Augen fährt. Aber auch da gelingt es ihr nicht, einen bleibenden Eindruck in uns zu hinterlassen. Nur die Augenwimpern kriegen grade mal etwas Farbe ab, und sie sind ziemlich verklebt davon. Wieder sind wir hintergangen worden. Aber wir haben einen Hauch von der Poesie der Sterne verspürt.

Es hat immerhin dafür gereicht, dass sich Ohren und Augen verbünden: Sie haben einen Pakt geschlossen, mit Hilfe dessen sie die Poesie der Sterne nicht wieder loslassen, wenn sie naht: Die Augenwimpern eilen schnell herbei, wenn das Gehör sie ruft. Sie ziehen ihre Gardinen über die Ohrmuscheln, wenn diese durch die schallenden Töne, die von der Poesie der Sterne gesendet werden, in Turbulenz gereten. Und das Trommelfell spannt sich wie eine Schutzhaut über die Pupille, wenn die Poesie der Sterne uns wieder lauter Trugbilder vorgaukelt. Sie kann dann nicht mehr entweichen, weil sie wie in einer Falle gefangen ist.

Ohren und Augen haben von dieser gegenseitigen Hilfe viel profitiert. Sie lassen es sich nicht mehr gefallen, auseinandividiert zu werden. Vor allem sind sie nun in der Lage, uns davon zu überzeugen, dass weder das Hören noch das Sehen einen Ausschliesslichkeitsanspruch erheben kann. Dadurch ist gewährleistet, dass sich die Poesie der Sterne uns mitteilen kann, wenn Klänge und Bilder uns überkommen. 

 

Klaus RUNZE

back to top

Zurück zu 

FULL ILLUSTRATED VERSION > ENGLISH VERSION


Klaus RUNZE

Beethovenstrasse 51

D- 53115 Bonn

Tel.&Fax: +49 (0)228 635665

http://www.klaus-runze.de


©P-ART

Go to NEXT ARTIST

back to P-ART WEB OF ARTISTS-index

go to homepage P-ART PARADISE

This page belongs to:http://users.skynet.be/P-ART